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Ratgeber · Auftragsmargen

Deckungsbeitrag im Handwerk: Was er ist und was er nicht ist

Ein Auftrag mit 36 Prozent Deckungsbeitrag klingt gut. Ob der Betrieb davon lebt, entscheidet sich aber erst, wenn man die Gemeinkosten danebenlegt. Der Deckungsbeitrag ist eine Zwischenstufe, kein Ergebnis.

Stand 10.10.2026 · 4 Minuten Lesezeit

Die Definition in einem Satz

Der Deckungsbeitrag ist der Erlös eines Auftrags abzüglich der Kosten, die dieser Auftrag direkt verursacht hat. Er zeigt, was der Auftrag zur Deckung der übrigen Kosten beiträgt.

Deckungsbeitrag = Erlös minus direkte Kosten (Material, Lohn, Fremdleistungen, Fahrten, Sonstiges)

Die Deckungsbeitragsquote ist der Deckungsbeitrag geteilt durch den Erlös.

Beispielrechnung (frei gewählte Zahlen, kein Marktwert)

Ein Auftrag bringt 20.000 Euro netto. Material kostet 7.000 Euro, 90 Stunden zu 48 Euro Lohnkosten ergeben 4.320 Euro, Fremdleistungen kosten 1.500 Euro.

Deckungsbeitrag eines Auftrags (Beispiel)
PositionBetrag
Erlös netto20.000 €
Material-7.000 €
Lohn (90 Stunden zu 48 €)-4.320 €
Fremdleistungen-1.500 €
Deckungsbeitrag7.180 €
Deckungsbeitragsquote35,9 Prozent

Warum der Deckungsbeitrag nicht der Gewinn ist

Vom Deckungsbeitrag müssen noch die Gemeinkosten bezahlt werden: Büro, Fahrzeuge, Versicherungen, Verwaltung, Software, dein eigenes Gehalt. Erst was danach übrig bleibt, ist Gewinn. Das bedeutet auch: Ein Auftrag mit positivem Deckungsbeitrag kann sich für den Betrieb trotzdem nicht lohnen, wenn alle Aufträge zusammen die Gemeinkosten nicht tragen.

Hinweis: Rechnest du mit einem Stundensatz, der die Gemeinkosten schon enthält, ist das Ergebnis kein Deckungsbeitrag mehr, sondern ein Auftragsergebnis nach Gemeinkosten. Wichtig ist, dass du weißt, welche von beiden Rechnungen du gerade machst.

Wie viel Umsatz du brauchst, damit es reicht

Aus der Quote lässt sich der Umsatz ableiten, ab dem die Gemeinkosten gedeckt sind:

Break-even-Umsatz = Gemeinkosten pro Jahr geteilt durch Deckungsbeitragsquote

Mit 150.000 Euro Gemeinkosten und einer Quote von 35,9 Prozent liegt der Break-even bei rund 418.000 Euro Jahresumsatz. Alles darüber trägt zum Gewinn bei, alles darunter ist Verlust. Sinkt die Quote durch teureres Material oder mehr Stunden, steigt der nötige Umsatz, ohne dass sich an der Auftragslage etwas ändert.

Eine wichtige Einschränkung

Die Break-even-Rechnung behandelt Löhne als direkte Kosten. In einem Betrieb mit fest angestellten Mitarbeitern fallen Löhne aber auch an, wenn kein Auftrag da ist. Dann musst du entscheiden, ob du die Löhne als direkte Kosten rechnest (so sieht jeder Auftrag fair aus) oder als Fixkosten (so wird sichtbar, wie viel Auslastung du brauchst). Für die Nachkalkulation einzelner Aufträge ist die erste Sicht üblich, für die Frage, wie viel Arbeit du brauchst, die zweite.

Der Deckungsbeitrag je Stunde als zweiter Blick

Die Quote sagt, wie viel vom Umsatz übrig bleibt. Sie sagt nicht, wie viel Arbeitszeit der Auftrag gebunden hat. Teilst du den Deckungsbeitrag durch die eingesetzten Stunden, siehst du, was jede Stunde einbringt.

Im Beispiel liegt der Deckungsbeitrag bei 7.180 Euro für 90 Stunden, das sind rund 79,78 Euro je Stunde. Ein kleinerer Auftrag mit 4.500 Euro Deckungsbeitrag, der nur 40 Stunden bindet, bringt 112,50 Euro je Stunde, obwohl sein Deckungsbeitrag in Euro niedriger ist. Wenn Arbeitszeit knapp ist, ist die zweite Zahl die bessere Grundlage für die Entscheidung, welchen Auftrag du annimmst.

Was du mit der Quote machst

  • Vergleiche die Quote der Auftragsarten untereinander: Wo verdienst du überdurchschnittlich, wo wenig?
  • Setze dir eine Mindestquote für Angebote, unter der du nicht anbietest, außer es gibt einen strategischen Grund.
  • Beobachte die Quote im Zeitverlauf. Ein Absinken über mehrere Aufträge ist ein Frühwarnsignal, bevor es in der Auswertung deines Steuerberaters sichtbar wird.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Deckungsbeitrag und Rohertrag?

Der Rohertrag zieht meist nur das Material ab. Der Deckungsbeitrag zieht alle Kosten ab, die der Auftrag direkt verursacht, also auch Lohn, Fremdleistungen und Fahrten.

Gehören Löhne zu den direkten Kosten?

Für die Nachkalkulation einzelner Aufträge rechnet man sie üblicherweise ein. Damit zeigt der Deckungsbeitrag, was ein Auftrag nach Material und Arbeit beiträgt.

Ist eine hohe Quote immer gut?

Nicht ohne Weiteres. Eine hohe Quote bei kleinem Umsatz trägt die Gemeinkosten möglicherweise nicht. Entscheidend ist der Deckungsbeitrag in Euro über das ganze Jahr.

Wie kommt der Deckungsbeitrag zum Gewinn?

Du ziehst die Gemeinkosten des Jahres ab. Was danach bleibt, ist der Betriebsgewinn vor Steuern und vor Zinsen, soweit du sie nicht in den Gemeinkosten hast.

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Die Beispielrechnungen verwenden frei gewählte Zahlen und sind keine Marktdaten. Der Beitrag ist allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

Begleitete Beratung

Lieber gemeinsam auswerten?

Die Tools zeigen dir, wo es hakt. Wenn du die Ergebnisse gemeinsam einordnen und in Maßnahmen übersetzen willst, begleite ich dich, in zwei Richtungen:

Kalkulation und Preismanagement

Stundenverrechnungssätze, Angebotskalkulation, Preisstrategie, Deckungsbeiträge und Margenoptimierung.

Effizienz und Performanceoptimierung

Nachkalkulation, Wirtschaftlichkeit von Aufträgen, Nachtragsmanagement, Wartungsvertragsprofitabilität und betriebliche Steuerung.

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