Ratgeber · Stundensatz
Stundenverrechnungssatz berechnen: Schritt für Schritt im SHK-Betrieb
Viele Betriebe kennen ihren Stundensatz, aber nicht seine Herkunft. Dann weiß niemand, ob jede verkaufte Stunde Geld verdient oder kostet. Die Rechnung dahinter ist kurz und lässt sich in einer Stunde nachvollziehen.
Warum der Lohn je Stunde nicht dein Stundensatz ist
Ein Geselle mit 25 Euro Stundenlohn kostet dich deutlich mehr als 25 Euro, wenn du ihn für eine Stunde beim Kunden verrechnest. Der Arbeitgeberanteil kommt dazu. Außerdem bezahlst du ihn für Urlaub, Feiertage und Krankheit, ohne dass in diesen Stunden eine Rechnung entsteht. Und selbst in den Stunden, in denen er arbeitet, ist nicht jede Minute auf einem Auftrag: Werkstatt, Lager, Besprechungen und Wege ohne Kundenbezug gehören dazu.
Hinzu kommen die Gemeinkosten, also alle Kosten, die du keinem einzelnen Auftrag zuordnest: Büro, Fahrzeuge, Versicherungen, Verwaltung, Software, Werkzeug. Sie müssen irgendwo im Preis stecken. Der Stundensatz ist der Ort, an dem das üblicherweise passiert.
Die Formel in vier Schritten
- Gesamtkosten bestimmen: Personalkosten der produktiven Mitarbeiter (inklusive Arbeitgeberanteil) plus Gemeinkosten, jeweils für ein Jahr.
- Produktive Stunden bestimmen: Zahl der Mitarbeiter mal die Stunden, die jeder im Jahr tatsächlich auf Aufträgen arbeitet.
- Verrechnete Stunden bestimmen: Der Teil der produktiven Stunden, der wirklich bezahlt wird. Nacharbeit, Gewährleistung, Leerlauf und Kulanz zählen nicht dazu.
- Gesamtkosten durch verrechnete Stunden teilen.
Kostendeckender Stundensatz = (Personalkosten + Gemeinkosten) geteilt durch verrechnete Stunden
Das Ergebnis ist der Satz, bei dem du weder verdienst noch verlierst. Einen Gewinn enthält er noch nicht. Den rechnest du danach als Aufschlag darauf (siehe den Beitrag zu Aufschlag und Marge).
Beispielrechnung (frei gewählte Zahlen, kein Marktwert)
Ein Betrieb hat 420.000 Euro Personalkosten für sieben produktive Mitarbeiter und 150.000 Euro Gemeinkosten. Jeder Mitarbeiter leistet 1.300 produktive Stunden im Jahr, davon werden 85 Prozent bezahlt.
| Größe | Wert |
|---|---|
| Gesamtkosten | 420.000 € + 150.000 € = 570.000 € |
| Produktive Stunden | 7 mal 1.300 = 9.100 Stunden |
| Verrechnete Stunden | 85 Prozent von 9.100 = 7.735 Stunden |
| Kostendeckender Stundensatz | 570.000 € geteilt durch 7.735 = 73,69 € |
| Davon Lohnkosten je produktiver Stunde | 420.000 € geteilt durch 9.100 = 46,15 € |
| Davon Gemeinkosten je produktiver Stunde | 150.000 € geteilt durch 9.100 = 16,48 € |
Rechnet der Betrieb mit 68 Euro pro Stunde, fehlen 5,69 Euro je verrechneter Stunde, bei 7.735 Stunden rund 44.000 Euro im Jahr. Würde er dagegen alle produktiven Stunden verrechnen, läge der kostendeckende Satz bei 62,64 Euro. Der Unterschied zwischen beiden Sätzen zeigt, wie viel in der Auslastung steckt.
Was zu den Gemeinkosten gehört und was nicht
- Gehört dazu: Büromiete und Nebenkosten, Fahrzeugkosten (soweit nicht separat berechnet), Versicherungen, Büropersonal und Steuerberatung, Software, Werkzeug und Maschinen, Lager, Weiterbildungskosten, Zinsen und Abschreibungen.
- Gehört dazu, wird oft vergessen: Dein eigenes Gehalt, wenn du nicht als Mitarbeiter auf Aufträgen mitarbeitest, als kalkulatorischer Unternehmerlohn.
- Gehört nicht dazu: Materialeinkauf und Fremdleistungen. Sie werden pro Auftrag kalkuliert und zählen nicht zu den Gemeinkosten.
- Gehört nicht dazu: Löhne produktiver Mitarbeiter. Die stehen schon bei den Personalkosten, sonst zählst du sie doppelt.
Häufige Fehler
- Mit der Anwesenheit statt mit den verrechneten Stunden rechnen. Das macht den Satz zu niedrig.
- Gemeinkosten zu knapp ansetzen, weil Fahrzeug, Software oder der eigene Lohn fehlen.
- Alle Mitarbeiter über einen Kamm scheren, obwohl Meister, Geselle und Helfer sehr unterschiedliche Löhne haben. Ein Durchschnittssatz verschleiert, welche Gruppe sich trägt.
- Den Satz einmal berechnen und dann jahrelang beibehalten, während Löhne und Kosten steigen.
Was du mit dem Ergebnis machst
Der kostendeckende Satz ist die Untergrenze. Liegt dein heutiger Satz darunter, ist jede verkaufte Stunde ein Verlust. Liegt er knapp darüber, fehlt der Gewinn. Rechne danach deinen Zielsatz mit einem bewussten Aufschlag und vergleiche ihn mit deinen Angeboten. Prüfe einmal im Jahr und bei jeder Lohnerhöhung, ob der Satz noch passt.
Häufige Fragen
Welche Stunden zähle ich als produktiv?
Stunden, in denen ein Mitarbeiter für Kunden oder Aufträge arbeitet. Urlaub, Feiertage, Krankheit, Fortbildung und Zeit ohne Kundenbezug wie Werkstatt oder Lager zählen nicht dazu.
Muss ich meinen eigenen Lohn mitrechnen?
Wenn du nicht als Mitarbeiter auf Aufträgen arbeitest und dein Gehalt nirgends in den Kosten steht, fehlt es in der Rechnung. Setze es als kalkulatorischen Unternehmerlohn bei den Gemeinkosten an.
Wie oft sollte ich den Stundensatz neu berechnen?
Mindestens einmal im Jahr und immer dann, wenn sich Löhne, Fahrzeugkosten oder die Zahl der Mitarbeiter deutlich ändern.
Ist der kostendeckende Satz mein Verkaufspreis?
Nein. Er ist die Untergrenze ohne Gewinn. Dein Verkaufssatz ergibt sich aus den Kosten plus einem Gewinnaufschlag, den du bewusst festlegst.
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- Produktive Stunden berechnen: Von der Sollarbeitszeit zur verrechneten Stunde
- Aufschlag oder Marge: Der Unterschied bei der Preiskalkulation im Handwerk
Die Beispielrechnungen verwenden frei gewählte Zahlen und sind keine Marktdaten. Der Beitrag ist allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.