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Ratgeber · Angebotskalkulation

Gemeinkosten richtig in den Preis rechnen: Wie du sie nicht doppelt ansetzt

Gemeinkosten müssen im Preis stecken, aber nur einmal. In der Praxis passiert beides: Sie fehlen ganz, oder sie werden doppelt angesetzt, weil Stundensatz und Zuschlag aus verschiedenen Quellen stammen. Beide Fehler kosten Aufträge oder Geld.

Stand 10.10.2026 · 4 Minuten Lesezeit

Drei Wege, Gemeinkosten in den Preis zu bringen

  • Im Stundensatz: Der Satz enthält die Gemeinkosten bereits (Selbstkostensatz). Dann brauchst du auf die Arbeitsstunden keinen weiteren Zuschlag.
  • Als Zuschlag auf die Lohnkosten: Du rechnest mit dem reinen Lohn je Stunde und schlägst einen Prozentsatz auf, der aus Gemeinkosten und Lohnsumme berechnet wird.
  • Als Zuschlag auf die Einzelkosten: Der Prozentsatz wird auf die gesamten direkten Kosten gerechnet, also Material, Löhne und Fremdleistungen zusammen.

Alle drei Wege sind zulässig. Wichtig ist, dass du einen davon konsequent wählst und die anderen nicht zusätzlich anwendest.

Wie die Doppelzählung entsteht

Ein typischer Fall: Die Büroleitung hat einen Selbstkostensatz berechnet, der die Gemeinkosten enthält. Der Kalkulator kennt aber noch den alten Zuschlag von 40 Prozent aus der Vorlage und wendet ihn zusätzlich an. Oder der Betrieb schlägt Fahrzeugkosten auf den Stundensatz auf und berechnet zusätzlich jede Fahrt einzeln.

Die Folge ist ein überhöhter Preis, den du im Wettbewerb nicht durchsetzt, ohne dass jemand merkt, warum du Aufträge verlierst.

Beispielrechnung (frei gewählte Zahlen, kein Marktwert)

Die Lohnkosten betragen 45 Euro je Stunde. Die Gemeinkosten ergeben einen Zuschlag von 40 Prozent auf den Lohn. Daraus folgt ein Selbstkostensatz von 63 Euro je Stunde.

Richtig und doppelt gerechnet bei 100 Stunden (Beispiel)
VorgehenSatz je StundeArbeitskosten für 100 Stunden
Selbstkostensatz mit Gemeinkosten (richtig)63,00 €6.300 €
Lohn 45 € plus 40 Prozent Zuschlag (richtig)63,00 €6.300 €
Selbstkostensatz 63 € plus nochmals 40 Prozent (doppelt)88,20 €8.820 €

Die Doppelzählung erhöht die Arbeitskosten in diesem Beispiel um 2.520 Euro oder 40 Prozent. Bei einem Angebot mit dem Gewinnaufschlag obendrauf wird der Preis noch höher.

Die umgekehrte Lücke: Gemeinkosten, die fehlen

Genauso teuer ist es, wenn niemand sie ansetzt. Das passiert, wenn dein Kalkulationsprogramm mit dem reinen Lohn rechnet und der Zuschlag nirgends eingestellt ist. Dann trägt der Auftrag Büro, Fahrzeuge, Versicherungen und Verwaltung nicht mit, und das Geld fehlt am Jahresende.

Hinweis: Frage dich bei jedem Satz in der Kalkulation: Enthält er die Gemeinkosten oder nicht? Wenn du es nicht weißt, rechne ihn nach.

Typische Stellen, an denen Gemeinkosten doppelt stecken

  • Fahrzeug: Die Kosten stecken im Selbstkostensatz, und zusätzlich wird jede Anfahrt mit Kilometerpauschale und Fahrzeit berechnet.
  • Werkzeug: Allgemeines Werkzeug ist in den Gemeinkosten, und im Angebot steht trotzdem ein Posten Werkzeugpauschale.
  • Verwaltung: Das Büropersonal ist in den Gemeinkosten, und im Angebot kommt noch ein Posten Auftragsabwicklung dazu.
  • Unternehmerlohn: Dein Gehalt steckt in den Gemeinkosten, und zusätzlich wird deine Arbeitszeit als Meisterstunde berechnet.

Das heißt nicht, dass solche Posten falsch sind. Sie müssen nur in einer Stelle stehen: entweder im Satz oder in der Einzelrechnung, nie in beiden.

Wie du es im Betrieb sicherstellst

  1. Berechne einmal im Jahr den Selbstkostensatz aus Personalkosten, Gemeinkosten und verrechneten Stunden.
  2. Lege fest, ob der Satz in der Kalkulation Lohn oder Selbstkosten bedeutet, und schreibe es an die Vorlage.
  3. Hinterlege den Zuschlag nur, wenn der Satz reiner Lohn ist.
  4. Setze Fahrzeugkosten entweder in den Satz oder in die Einzelrechnung der Fahrten, nicht in beides.
  5. Vergleiche regelmäßig einige abgeschlossene Aufträge mit deiner Kalkulation (Nachkalkulation).

Häufige Fragen

Welcher der drei Wege ist der beste?

Für kleine Betriebe ist der Selbstkostensatz je Gruppe am einfachsten und transparent. Zuschläge auf Lohn oder Einzelkosten sind verbreitet, wenn eine Software sie vorgibt. Entscheidend ist die konsequente Anwendung.

Gehören Fahrzeugkosten in die Gemeinkosten?

Ja, soweit du sie nicht gesondert als Anfahrt oder Fahrtkosten berechnest. Sonst zählst du sie doppelt.

Wie finde ich heraus, ob ich Gemeinkosten doppelt rechne?

Vergleiche deinen Satz in der Kalkulation mit dem berechneten Selbstkostensatz. Liegt er deutlich darüber und der Zuschlag steht zusätzlich darin, ist eine Doppelzählung wahrscheinlich.

Gehört mein eigener Lohn in die Gemeinkosten?

Ja, wenn du nicht als Mitarbeiter auf Aufträgen arbeitest, als kalkulatorischer Unternehmerlohn. Sonst fehlt er in der Kalkulation.

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Die Beispielrechnungen verwenden frei gewählte Zahlen und sind keine Marktdaten. Der Beitrag ist allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

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